Vorhaben: Mit Frauen-Frie­dens-Fo­ren Gewalt ent­ge­gen­wir­ken

Gemeinsam mit seinen Partnerorganisationen setzt sich der Zivile Friedensdienst in Äthiopien dafür ein, die sinnvolle Teilhabe von Frauen in lokalen Dialog- und Friedensprozessen zu stärken. 

Überblick

Kategorien
  • Frauen, Frieden, Sicherheit: Beteiligung an Friedensprozessen
  • Themen: Klima
Länder
Äthiopien
Laufzeit
2018 bis 2022
Auftraggeber
  • Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Copyright: Ethiopian Evangelical Church Mekane Yesus (EECMY)

Ausgangssituation

In der Projektregion Oromia, dem größten Regionalstaat Äthiopiens, kommt es immer wieder zu gemeindeübergreifenden Konflikten und gewalttätigen Auseinandersetzungen. Seit Jahrzehnten bestehen Konflikte zwischen Gemeinschaften um den Zugang und die Nutzung von Land und Ressourcen. Sie verlaufen oft entlang ethnischer und religiöser Zugehörigkeit und werden zusätzlich von politischen Interessen verschärft.

Geschlechterrollen und Konfliktdynamiken beeinflussen sich zudem gegenseitig: In den Konfliktgemeinden sind Frauen kulturell, wirtschaftlich und politisch stark marginalisiert. So ist der Besitz und Erwerb von Land beispielsweise männlich dominiert und der Zugang von Frauen zur Landnutzung begrenzt möglich. Im Zuge der angespannten Konfliktsituation haben in den letzten Jahren auch konfliktbedingte sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt (SGBV) zugenommen. Sexualisierte Gewalt wird in ganz Äthiopien von Konfliktparteien als ein Mittel der Kriegsführung eingesetzt. Fälle häuslicher Gewalt und schädlicher Praktiken, wie Früh- und Zwangsverheiratung, frühe Schwangerschaften und weibliche Genitalverstümmelung (FGM) sind weit verbreitet. Jugendliche, Frauen und Mädchen sowie marginalisierte Gruppen sind aufgrund ihrer vulnerablen Situation den Konfliktfolgen und der Gewalt besonders stark ausgesetzt, aber auch Jungen und Männer sind von sexualisierter und geschlechtsbasierter Gewalt betroffen.

Die Marginalisierung von Frauen und Jugendlichen und ihrer Interessen und Perspektiven in Friedens- und Dialogprozessen bleibt eine große Herausforderung. Diskriminierende soziale Normen und patriarchalische Geschlechterrollen, SGBV, mangelnde formelle Kapazitäten und fehlende Ressourcen hindern Frauen und Jugendliche daran, an Entscheidungsprozessen und Friedensbemühungen aktiv teilzuhaben.

Ziel

Das von der GIZ umgesetzte ZFD-Programm “Dialogförderung zum vertrauensbasierten Land- und Ressourcenmanagement in der Region Oromia, Äthiopien“ setzte sich zwischen 2018 und 2022 mit seinen Partnerorganisationen Association of Pastoralist Community for Change (APCfC), ehemals Oromia Pastoralist Association (OPA), sowie Ethiopian Evangelical Church Mekane Yesus (EECMY) dafür ein, die sinnvolle Beteiligung von Frauen in lokalen Dialog- und Friedensprozessen zu stärken und somit einen Beitrag zur Konfliktbearbeitung zu leisten.

Das Folgeprogramm „Infrastructures for Dialogue (I4D) Programme (2022-2025)“ des ZFD baut auf den Lernerfahrungen und Strukturen des Vorgängerprogramms auf und zielt darauf ab, inklusive Räume für Friedensdialoge zu fördern, die insbesondere Frauen und Jugendlichen eine Teilhabe auf verschiedenen Ebenen ermöglichen.

Vorgehensweise

Im Rahmen des ZFD-Programms wurden Akteur*innen seit 2018 in ihrem Konfliktumfeld mit Kapazitäten, Ressourcen und durch Begleitung darin unterstützt, lokale Konflikte gewaltfrei und inklusiv zu lösen. Um Räume für die Teilhabe von Frauen zu schaffen, wurden gemeinsam mit den Partnerorganisationen sogenannte Frauen-Friedens-Foren (Women Peace Fora) etabliert und gestärkt. In den Frauen-Friedens-Foren wurden allgemeine Fragen zu grenzüberschreitenden Land- und Ressourcenkonflikten diskutiert, aber auch genderspezifische Themen adressiert. Das Ziel dabei war, dass sich die Frauen-Friedens-Foren als aktive Mitgestalter*innen von Dialog- und Friedensprozessen verstehen und die beteiligten Frauen eine aktive Rolle als Friedensakteurinnen in ihren Gemeinschaften übernehmen. Ein wichtiger Bestandteil des Programms war es deshalb, in den Foren Wissen und Kapazitäten unter anderem zu Themen wie Konflikttransformation, Dialog, Frühwarnung und -reaktion, Selbstorganisation, kollektives und strategisches Handeln und Netzwerkarbeit zu vermitteln.

Das Thema der geschlechtsspezifischen Ungleichheiten und Gewalt wurde nicht nur in den Frauen-Friedens-Foren aufgenommen, sondern auch gemeinsam mit Männern aus Friedensforen und religiösen Institutionen und Regierungsinstitutionen diskutiert. Ziel war, die jeweiligen geschlechtsspezifischen Perspektiven, Herausforderungen und Erfahrungen zu vergemeinschaften und gemeinsam Wege für mehr Geschlechtergerechtigkeit zu entwickeln. In Dialogformaten tauschten sich zunächst weibliche und männliche Gemeindemitglieder getrennt voneinander zum Thema Maskulinität und Geschlechterungleichheiten aus und dann geschlechtsübergreifend, um gemeinsam konkrete Strategien und Aktionspläne zu entwickeln. Die Aktionspläne setzten sich unter anderem mit dem Zugang und Besitz von Frauen zu Land und Ressourcen, der Schulbildung für Mädchen, der gerechten Arbeitsaufteilung im Haushalt sowie der Beteiligung von Frauen in lokalen Entscheidungsprozessen auseinander. Die Dialogformate dienten schließlich auch dazu, die geschlechtsspezifischen Dynamiken nicht nur innergemeinschaftlich zu besprechen, sondern dadurch Gemeinschaften näher zusammenzubringen.

Im Rahmen des laufenden Programms arbeitet das ZFD-Programm ganz explizit auch mit frauengeführten und feministischen zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammen.

 

Exercise "Privilege Walk" in Hawassa 2022. Copyright: Ethiopian Evangelical Church Mekane Yesus (EECMY)

Wirkung

Die übergreifenden Dialogformate zu Geschlechterrollen und Erwartungen wurden von den teilnehmenden Gemeindemitgliedern als besonders positiv bewertet. Ergebnisse einer Befragung im Anschluss an die Dialogformate waren beispielsweise, dass Männer erstmals ganz explizit den Erfahrungen, Perspektiven, Bedürfnissen und Prioritäten der Frauen zuhörten und sich selbst mit ihren eigenen Privilegien auseinandersetzten. Teilnehmerinnen fühlten sich durch die Dialogformate gestärkt darin, ihre Rechte einzufordern. Gleichzeitig erkannten Frauen zunehmend ihren Handlungsspielraum, Dialog- und Friedensprozessen mitzugestalten. Die Kapazitätsentwicklung trug u. a. dazu bei, dass sich Teilnehmer*innen in zwei Konfliktszenarien strategisch organisiert und in ihren Gemeinden entscheidende Interessenvertreter*innen dazu bewegt haben, gestohlenes Vieh zurückzugeben oder Erbgut gleich zwischen männlichen und weiblichen Familienmitgliedern aufzuteilen.